Grantig, aber charmant – wie man Wiener:innen richtig versteht
- 12. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Wer zum ersten Mal in Wien unterwegs ist, stolpert früher oder später darüber: den Wiener Grant. Ein Augenrollen, ein trockener Kommentar, eine Antwort, die auf den ersten Blick schroff wirkt. Und trotzdem steckt darin oft mehr Herzlichkeit, als man erwartet.
Der Wiener Grant ist keine Unfreundlichkeit. Er ist eine eigene Form der Kommunikation.

Was Grant eigentlich bedeutet
„Grantig“ heißt in Wien nicht automatisch schlecht gelaunt. Es bedeutet vielmehr: direkt, ungeschönt und ohne unnötigem „Drumherum“. Während anderswo Höflichkeit oft mit Freundlichkeit gleichgesetzt wird, trennt man in Wien diese beiden Dinge gern. Der Ton mag rau sein, die Absicht dahinter ist es meist nicht.
Zwischen Schmäh und Ernst
Der Wiener Schmäh lebt vom Kontrast. Wer ihn versteht, merkt schnell: Der Grant ist Teil davon. Typisch zeichnet sich der Grant durch eine Mischung aus leichtem Zynismus, Selbstironie und einer gewissen Gelassenheit gegenüber dem Leben aus. Außerdem ist nicht immer alles ernst gemeint ;-)
Warum man den Grant nicht persönlich nehmen sollte
Wer genauer hinhört, erkennt schnell Muster: Ein grantiger Kommentar ist oft eher Einladung als Abweisung. Eine Art zu sagen: Du gehörst eh schon dazu. Grant kann daher auch als Form von Nähe verstanden werden. Man sagt, wer mit dir „grantelt“, nimmt dich auch ernst.
Gerade im Wirtshaus zeigt sich das besonders deutlich. Da wird gescherzt, gemurmelt und manchmal auch leicht geschimpft.

Ein paar einfache Regeln helfen die Wiener:innen richtig zu verstehen:
· Nicht alles wörtlich nehmen
· Zwischen den Zeilen hören
· Auf den Ton achten, nicht nur auf die Worte
· Und vor allem: gelassen bleiben
Grantig und charmant schließen einander nicht aus. In Wien gehören sie zusammen.
Wer das verstanden hat, versteht auch ein Stück Wiener Alltagskultur und merkt schnell, dass hinter dem rauen Ton oft mehr Wärme steckt, als man auf den ersten Blick vermutet.






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